Donnerstag, 27. September 2012

Kein Frankfurt Marathon - lieber 10km-Geballer

Dem aufmerksamen Leser könnte in meinem letzten Post aufgefallen sein, dass ich mit der Art und Weise meiner großen Ankündigungen nicht zufrieden bin. Immer irgendwas vorhergesagt, verlangt, prophezeit und nie eingehalten. Das Fass zum Überlaufen gebracht hat die Ankündigung zum Frankfurt Marathon. Natürlich hatte ich wirklich vor, ihn zu laufen. Ich hatte schon im Mai oder so einen Freistart dafür erhalten. Dann allerdings kamen mir diverse Zweifel an meinem Vorhaben.

  1. Warum zwei Marathons im Jahr laufen?
  2. Warum zum dritten Mal innerhalb eines Jahres den gleichen Trainingsschwerpunkt legen?
  3. Wenigstens einmal im Läuferleben auch kleinere Distanzen trainieren (Verbesserung der Grundschnelligkeit usw.).
  4. Lieber richtige Grundlagen für nächste Saison legen in Form von Kräftigungsübungen für die Beine und Lauf-ABC.
  5. Erst wieder Langstreckenvorbereitung, wenn neues Schuhwerk erworben wurde.
Dazu kamen kleinere Beschwerden mit meinem linken Knie, die aber schnell wieder verschwanden, jedoch die Gedanken an mehr Kräftigungsübungen noch befeuerten. Deshalb entschied ich mich im August dazu, die Vorbereitung für Frankfurt sein zu lassen und stattdessen mal gezielt 10km-Training zu betreiben.
Am 07. Oktober ist jetzt ein 10km-Wettkampf in Wiesbaden, auf den ich mich momentan vorbereite. Bislang läuft das Training ziemlich gut. Jetzt würde ich bis dahin gerne noch ein wenig an Gewicht verlieren. Mit etwas Glück könnte eine neue 10km-Bestzeit rausspringen. Meine aktuelle stammt ja von der Bahn und ist somit nicht unbedingt vergleichbar mit einer Zeit, die in einem Wettkampf gelaufen wird, zumal dieser auch relativ hügelig daher kommt.
Danach gibt es am 14. Oktober den Mainuferlauf, in dessen Rahmen auch ein 10km-Wettkampf angeboten wird. Wahrscheinlich werde ich diesen auch noch laufen. Die Strecke ist flach und an letztes Jahr, als ich dort den HM lief, habe ich noch sehr gute Erinnerungen.
Ich hoffe, dass ich durch das hier darüber Schreiben meine Ziele nicht wieder korrumpiere und mir jetzt kurzfristig wieder was dazwischen kommt...

Für Interessierte, hier mal exemplarisch meine letzte Trainingswoche im Überblick:

Mo. 17.09.: langsamer DL 12,22km in 1:09:50std
Di. 18.09.: Intervalle 5x1000m (3:50 - 3:51 - 3:49 - 3:48 - 3:52) mit 400m TP, 2km Ein-, Auslaufen
Mi. 19.09.: lockerer DL 11,24km in 1:02:00std
Do. 20.09.: mittlerer DL 12,62km in 1:02:01std
Fr. 21.09.: Tempodauerlauf 8km in 4:16min/km, 2km Ein-, Auslaufen
So. 23.09.: langer Dauerlauf 19,79km in 1:46:19std (leicht hügelig)
Gesamtdistanz: 79km

Diese Trainingswoche ist gar nicht so verschieden von meinem üblichen Marathontraining, außer dass die Distanzen geringer sind und die Intensitäten etwas höher. Diese Woche hatte ich 400m-Intervalle dabei. Die machen richtig Spaß, weil ich da mal so richtig losballern kann. Die Pausen sind auch recht kurz zwischen den Intervallen, so dass ich richtig gefordert bin. Morgen werde ich einen 10km-TDL durchführen, evtl. noch ein wenig schneller als den letzte Woche. Nächste Woche noch einmal 5x1000m-Intervalle und danach ein wenig ausruhen für den Wettkampf.

Fazit: Auch 10km-Training macht viel Spaß!

Dienstag, 18. September 2012

Mein Blog und ich: Ein Zwiegespräch

Liebes Blog,

wir zwei haben ein Problem. Ich lese dich ab und an und erkenne, dass du stets irgendwelche Vorhaben für die Zukunft hast, diese dann aber regelmäßig und aus unterschiedlichen Gründen nicht erfüllst. Sei es Krankheit, Verletzung, fehlende Motivation oder irgendeine fixe Idee, die gerade wieder in deinem Gehirn entsteht. Warum bist du in letzter Zeit so unvorhersehbar, so sprunghaft in deinen Entscheidungen? Da waren die zwei 10km Läufe, die nicht absolviert wurden. Dann das Vorhaben, im August einen Halbmarathon zu laufen, dazwischen sollte nochmal ein 10er kommen. Nichts von alldem ist passiert. Warum trittst du hier trotzdem in schöner Regelmäßigkeit deine Ziele breit und viel zu selten aktuelle Geschehnisse, die dir tatsächlich passiert sind?

Ansonsten: Wirklich schöne Texte hier dabei! Die Armstrongstory war ein bisschen an den Haaren herbei gezogen, aber Respekt vor deiner Hirnakrobatik.

Liebe Grüße
Jan


Lieber Jan,

ich erkläre dir jetzt mal etwas: Nur, weil du dich mit den geplanten Vorhaben und nicht erfüllten Zielen nicht identifizieren kannst willst, heißt das noch lange nicht, dass irgendjemand anders als du selbst dafür verantwortlich ist. Du tust hier gerade so, als stünde der ganze Käse hier ohne dein Zutun auf diesen Seiten. Ich rate dir für die Zukunft dieses Blogs und somit für mein eigenes Wohlergehen, dass du hier nicht mehr großspurig irgendwelche Träume und Wünsche postest, sondern nur noch tatsächliche Geschehnisse und interessante Begebenheiten. Wenn du nix zu berichten hast, lass deine Griffel von der Tastatur und behalte deine Läuferphantasien für dich. Es ist noch niemand durchs Nachdenken schneller geworden. Und nichts ist schlimmer und langweiliger als die niedergeschriebenen Phantasien eines mittelmäßigen Läufers. Seien wir doch mal ehrlich: Selbst die tatsächlichen Berichte reißen hier niemanden vom Hocker. Das Spannendste, was hier auf diesen Seiten passiert ist in den mittlerweile fünf (!) Monaten, war, als du dir fünf Tage vor dem Paris Marathon den Zeh an deiner scheiß Hantel gestoßen hast. Lass' dir mal auf der Zunge zergehen, wie erbärmlich langweilig und uninteressant das ist! Hinzu kommen dann noch deine Träumereien. Okay, würden sie dann wenigstens in die Tat umgesetzt, könnte der geneigte Leser eventuell einen Erkenntisgewinn für sich daraus ziehen, beispielsweise wie man Vorhaben trotz widriger Bedingungen umsetzen kann. Wenn du dich geschickt anstellen würdest, könntest du also den Weg von der Idee in deinem verwirrten Kopf bis hin zur Umsetzung auf der Strecke nachzeichnen. Das wäre doch mal was. Dazu braucht es aber auch Durchhaltevermögen. Die letzten Monate kamst du mir eher vor wie einer, der sich nicht traut, etwas auch durchzuziehen. Weißt du, wo man solche Typen wie dich gut gebrauchen kann? Im Badezimmer am Haken. Denn da gehören Waschlappen nämlich hin. Verstehst du was ich damit sagen will? Richtig, du bist ein Waschlappen. Dir muss man anscheinend alles schriftlich und zweimal erklären, damit du es verstehst. Was ich hiermit getan habe.

Na toll, siehst du, was hier gerade passiert? Jetzt tu' ich selbst schon so, als hätte ich eine eigenständige Existenz... ein Blog, das seinem Ersteller antwortet - wie wäre es mal mit professioneller Hilfe, lieber Jan?

Trotzdem danke ich dir für die offenen Worte. Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung.

Liebe Grüße
Blog


Liebes Blog,

puuh, also das muss ich erstmal verdauen. Ich hab hier den ganzen Unsinn geschrieben, die ganzen Vorhaben nicht erfüllt, immer wieder neue Wettkämpfe geplant und dann nicht absolviert? Das hieße ja, dass ich der faule Sack bin. Dass ich der Träumer von uns beiden bin. Und du nur das Produkt meiner Gedanken! Aber reicht nicht die Tatsache, dass ich hier von dir diese Antwort bekommen habe, für die Bestätigung meiner Eingangsvermutung, nämlich dass du doch selbstständig denkst, schreibst und handelst? Andererseits: Mir kommen diese nicht erfüllten Phantasien irgendwie vertraut vor... und deine harte, schonungslos offene Art auch. Vielleicht bist du also doch ein Teil von mir?

Weißt du, liebes Blog, an wen du mich erinnerst? An einen guten Bekannten. Der heißt Willen. Ich weiß, ein beschissener Name. Aber wer sucht sich schon seinen Namen aus? Du heißt Blog. Als ich klein war, hieß das "Block" mit nem ordentlich harten "Zäka" am Ende und ich hab da was mit der Hand reingeschrieben. Du bist dagegen irgendwie der weichgespülte, warme Bruder vom Block. Aber schweifen wir nicht ab....
Jedenfalls treffe ich den Willen ziemlich regelmäßig. Aber immer nur bei Tätigkeiten, die ich gerne ausübe. Wenn ich etwas nicht gerne mache, seh ich ihn nie. Der Willen ist eine sehr vielschichtige Persönlichkeit. Er motiviert mich, Dinge anzupacken. Ich habe ja ziemlich viele Ideen in meinem Kopf, aber ich kann sie nur umsetzen, wenn Willen mit dabei ist. Ohne ihn gibt es keinen Start. Ohne ihn bleiben die Ideen Ideen und werden nicht umgesetzt.
Mit ihm habe ich schon viele Vorbereitungen zum Marathon durchgestanden. Bei Schnee und Eis gelaufen, bei brütender Hitze, Platzregen, Hagel, Sturm, Gewitter, Eiseskälte. Wenn er dabei ist, kann ich die Idee in die Tat umsetzen. Er funktioniert wie ein Katalysator für mich. Und plötzlich erscheinen auch die anstrengenden, nicht so schönen Teile der Idee nicht mehr ganz so schlimm. Er hilft mir, auch schwere Situationen durchzustehen. Und wenn es dann hart auf hart kommt, wenn es mir während eines Rennens wirklich einmal nicht so gut geht und ich eigentlich nicht mehr kann, dann kommt Willen um die Ecke und brüllt mir in mein Ohr. In Paris war er das letzte Mal so richtig nah bei mir und schrie: "Jetzt streng dich an, noch drei Kilometer, du liegst gut in der Zeit! Wenn du jetzt nochmal alles rausholst, kannst du es schaffen! Oder willst du hier jetzt krepieren und deinen Traum begraben? Wofür hast du eigentlich die letzten drei Monate so hart trainiert? Um hier jetzt wie ne Schwuchtel vor den paar Minuten Schmerz zu kapitulieren!? Sei kein scheiß Waschlappen, sondern beweg deine Stelzen! RENN VERDAMMT NOCH MAL!!!" Das klingelt hinterher immer ziemlich im Gehörgang, wenn er mich so anschreit. Aber es hilft. Und du hast dich in deinem letzten Brief genau so angehört.

Also habe ich jetzt zwei Vermutungen, liebes Blog. Entweder ist Blog dein Pseudonym und du bist eigentlich Willen (btw.: Das würde passen, zwei ähnlich beschissene Namen) oder ich bin nicht mehr ganz dicht und du und Willen sind beide ein Teil von mir...

Um Aufklärung bittend
Jan


Lieber Jan,

ich bin ja kein Psychologe, aber das hört sich wirklich bedenklich an, was du mir hier auftischst. Ein Typ, der immer dann um die Ecke kommt, wenn du etwas gern machst und der dich anschreit, wenn es dir schlecht geht, was bewirkt, dass du dann Qualen besser aushältst!? Wo soll ich anfangen, diese abnormalen Hirngespinste zu entfriemeln? Vielleicht hast du ja auch latente homosexuelle Neigungen? Wie ich darauf komme? Naja, vielleicht ist dieser Willen ja nicht dein Bestärker bei tollen Vorhaben, sondern die Ursache, weshalb du überhaupt etwas gut findest. Du findest die Lauferei toll, weil dieser Willen dann immer da ist. Er bestimmt also, woran du Spaß hast und woran nicht. Und dass du Qualen besser aushältst, wenn dich jemand anbrüllt, hört sich für mich nach einer ausgeprägten masochistischen Ader an. Geh dem doch mal nach...
Aber Spaß beiseite, ich will dich ja nur ärgern. In Wahrheit ist es doch so: Willen und ich, das momentan übelgelaunte Blog, sind eine Person. Wir zwei gehören auch zu deiner Person, wir drei sind also eins. So einfach ist das. Was die Motivation angeht, weshalb du immer diesen Willen dabei haben musst um etwas zu erreichen, jemanden der dich anbrüllt in Situationen, in denen es dir schlecht geht: Ohne diesen Teil in dir würdest du nichts erreichen. Er ist der wichtigste Teil in dir, auf ihn solltest du hören. Er tut dir gut.

Hör auf mich
Blog


Liebes Blog,

ja okay, ich sehe ein, dass ich das alles irgendwie bin. Dass ich der Träumer und Phantast bin, war von Anfang an klar. Dass ich du und Willen bin, habe ich jetzt auch erkannt. Dass ich nicht mehr ganz dicht bin, ist auch klar. Aber damit wollen wir uns jetzt lieber nicht beschäftigen, manchmal ist es auch besser, keine schlafenden Hunde zu wecken. Wer weiß, was noch alles zu Tage tritt, wenn ich wirklich mal meine unbewussten Antriebe und Motivationen ergründen möchte.

Was mich stört, ist der letzte Teil deines Briefs. Dass der Willen das Entscheidende ist. Da widerspreche ich dir. Er ist ein bedeutender Teil von mir. Aber bei weitem nicht alles, was mich ausmacht. Er ist ein guter Helfer in schweren Situationen. Aber er ist niemals da, wenn ich eine Tätigkeit ausübe, die ich nicht gerne und mit Herzblut mache. Dann, wenn ich ihn also am dringensten brauche, verkriecht er sich. Er macht es sich damit sehr bequem wie ich finde. Ich buckel mir also alleine einen ab, wenn ich etwas nicht gern mache. Alsbald merke ich dann, dass es nichts bringt, diese Tätigkeit weiter auszuüben. Und dann fängt der Prozess an, der entscheidend ist. Ich muss mir etwas suchen, was mir Spaß macht. Und wer hilft mir dabei? Niemand. Das ist auch richtig so, denn ansonsten ließe ich mich viel zu sehr beeinflussen vom Geschwätz Anderer. Ich brauche dafür meine Ruhe, muss in mich gehen und fühlen, was ich als nächstes machen will. Der Willen kann mir dabei nicht helfen. Der brüllt immer so und ist furchtbar laut. Der will mich immer zu Höchstleistungen treiben, auch wenn das beizeiten gar nicht möglich ist. Ist dir mal der Gedanke gekommen, dass ich deshalb dieses Jahr so oft krank und verletzt und unmotiviert war? Ab und zu muss man auch mal einen Gang rausnehmen und in Ruhe schauen, was man wirklich will. Klar, ich will laufen. Aber ich will nicht wie verrückt immer schneller werden. Der Willen kann immer nur nach vorne und ziemlich laut funktionieren. Das Inspirierende am Laufen sieht er nicht. Es ist zwar ein tolles Gefühl, wenn man sich selbst überwindet und Ziele erreicht, die man sich gesetzt hat. Aber mit dieser Geisteshaltung kann man keine neuen Vorhaben planen. Das endet im Desaster. Was bringt es mir, wenn ich zum zehnten Mal den gleichen Marathon laufe und jedes Mal ein bisschen schneller werde? Der Willen fänd das ziemlich klasse. Ich finde das ziemlich phantasielos. Deshalb will ich mir mal eine andere Herausforderung suchen. Und wenn ich die gefunden habe, werde ich auch wieder den Willen brauchen. Das Gute an ihm ist, dass er so verlässlich ist. Aber eben nur in einem begrenzten Tätigkeitsfeld. Man darf ihm nicht zu viel Raum geben, sonst frisst er einen auf. Und dann würde ich den Spaß verlieren. Aber keine Angst, liebes Blog: Ich werde weiterhin laufen. Und tolle Sachen in dich reinschreiben.

Im Übrigen: Mach' dich nicht immer so schlecht, hier stehen doch ein paar interessante Geschichtchen drin. Du bist manchmal ein ziemlich zynisches Arschloch.

Liebe Grüße
Jan

Freitag, 24. August 2012

Meine Gedanken zu Lance Armstrongs Aufgabe im gegen ihn geführten Doping-Rechtsstreit

Dieses Thema hat nichts mit dem Laufsport zu tun. Trotzdem will ich hier dazu was schreiben, denn diese Nachricht rief in mir folgendes Gedankenspiel hervor und damit verbunden einige Einfälle, die ich schreibenswert finde.

Denken wir uns kurz in das Jahr 2003 zurück: Ein strahlender Jan Ullrich auf dem Siegerpodest. Gerade hat er im Bianchi-Trikot eine sensationelle Tour de France absolviert, Experten sagen er sei besser als bei seinem ersten Sieg 1997 gewesen, und er wurde mit großem Abstand Sieger. Es war sein vierter Sieg beim härtesten Radrennen der Welt. Auf der Spitze seiner Leistungsfähigkeit und als gefeierter Held einer ganzen Nation beendet er seine Karriere und zieht sich vom öffentlichen Leben, das sowieso immer eher Belastung für ihn war, zurück.

Die Realität sah damals natürlich ein bisschen anders aus. Lance Armstrong hat diesen deutschen Radsporttraum verhindert.

Armstrongs Entschluss, sich nicht in einem gegen ihn geführten öffentlichen Dopingprozess zu äußern, wird wahrscheinlich dazu führen, dass ihm seine sieben Tour de France-Siege aberkannt werden. Ob jetzt nachträglich meinem ehemaligen Idol Jan Ullrich die Toursiege von 2000, 2001 und 2003 zugerechnet werden, ist eine andere Frage, die im Prinzip auch unbedeutend ist, da die Frage nach seiner Dopingvergangenheit unter ähnlich schlechten Vorzeichen steht wie die Armstrongs und wahrscheinlich dem größten Teil des Pelotons in den vergangenen Jahrzehnten. Was mich viel mehr ins Grübeln bringt, ist die Tatsache, dass Armstrong jahrelang als glänzendes Vorbild dargestellt wurde, wenn es um Ehrgeiz, absoluten Siegeswillen, Disziplin, Cleverness, Abgebrühtheit und Trainingsfleiß ging. Jahr für Jahr trafen im Sommer dieses idealisierte Bild eines Wettkämpfers auf der einen Seite und das schlampige Talent, Jan Ullrich, auf der anderen Seite aufeinander. Alles konzentrierte sich auf dieses Duell.
Die Flachetappen zu Beginn der Tour - Vorgeplänkel. Vor allem in den öffentlich-rechtlichen Sendern ging es, wenn das Thema Radsport behandelt wurde, immer nur um die Frage: Kann Ullrich dieses Mal endlich sein Potential abrufen und Armstrong schlagen, oder war er wieder einmal zu nachlässig im Training?

Jedes Mal habe ich schwitzend und bibbernd vor dem Fernseher gesessen, als es zur ersten Bergankunft hochging.
Ich habe es gehasst, wie ARD und ZDF dieses Duell darstellten. Der faule Fettsack Ullrich auf der einen Seite - der Superman aus den USA, der Sieger über den Krebs auf der anderen Seite. Wurde Ullrich Zweiter, war er in der öffentlichen Meinung ein Versager. Aufgrund der abartig hohen Erwartungshaltung, die damals herrschte. Die kam natürlich dadurch zustande, dass Ullrich zunächst mal ein begnadeter Athlet war. Befeuert und ins Bizarre getrieben wurde sie allerdings durch die Berichterstattung, die Ullrich im Jahresverlauf immer ungefähr so darstellten: Er futterte sich Winterspeck an, kam dann im Frühjahr nicht aus den Puschen und hatte dann zu wenig Vorbereitungszeit für die Tour und musste sich jedesmal innerhalb von ungefähr vier Wochen 10kg Übergewicht von den Rippen strampeln, Vorbereitungsrennen fahren um dann in der zweiten Tourwoche einigermaßen in Form zu sein. Aufgrund seines einmaligen Talents konnte er seinen mangelnden Ehrgeiz, angeblich sei er auch mit zweiten Plätzen zufrieden, eine Schande für einen solchen Sportler, ausgleichen und trotzdem ein außergewöhnlicher Radfahrer werden. Hier sah man wie die öffentliche Darstellung und die damit verbundene Erwartungshaltung das eigene Talent zu einer echten Bürde werden ließen.

Armstrong hingegen war so ziemlich das genaue Gegenteil in der öffentlichen Wahrnehmung. Seine Karriere eher als Klassikerjäger gestartet, Armstrong das Kraftpaket und ideal geeignet für hügelige Kurse, durch seine Krebserkrankung sowohl mental als auch physisch vollkommen verändert, entwickelte er sich zum Rundfahrer mit dem dafür nötigen kompletten Repertoire. Der unbändige Siegeswillen, das fast schon unsympathische Streben nach Erfolg nahm man in den deutschen Medien stets als Nebenprodukt seines Kampfs gegen den Krebs wahr, schließlich gelang es Armstrong nur aufgrund dieser Einstellung, dem Tod von der Schippe zu springen. Und nur mit diesem Mindset war er auch in der Lage den eigentlich viel talentierteren Ullrich Jahr für Jahr zu demütigen. Und so glichen sich auch Jahr für Jahr die Bilder im Winter. Speckiger Ulle hier, ein irrer Lance Armstrong dort, der schon im Januar den Galibier hoch- und runter radelt, hinter ihm im Auto Johann Bruyneel, der Armstrong bittet, es für heute gut sein zu lassen. Doch Armstrong will noch einmal hochradeln, auch wenn der Nebel kaum mehr als zehn Meter Sicht zulässt.
Armstrong war derjenige, der über den eigenen Körper gesiegt hatte. Der Asket, stärker noch als der Tod. Immer und immer wieder musste man sich solche oder ähnliche Berichte anschauen. Kurz: Die Schwarz-Weiß-Malerei wurde hier in Perfektion betrieben. Held und Anti-Held. Der Kämpfer gegen den verwöhnten Bengel, der sich nachts Nutellagläser in der Mikrowelle aufwärmt um sie dann in einem runter zu stürzen...
Als Ullrichfan hatte man wenig Argumente, denn der war ja einfach nur faul - Diskussionen brachten nie etwas, die Köpfe der Menschen waren zugekleistert mit diesem simplen Denken.

ARD und ZDF entwickelten so über die Jahre eine Art Hassliebe gegenüber Ullrich. Es wurde immer gehofft, dass er es doch einmal schaffen würde. Wurde er Zweiter, konnte aber auch öffentlichkeitswirksam draufgehauen werden. Es wurden ehemalige Radsportler zurate gezogen, die Ullrichs Saisonplanung und Trainingsfleiß kritisierten. Persönlichen Einblick hatten dabei die Allerwenigsten.

So ging das also Jahr um Jahr. Jahr um Jahr kam die erste Bergankunft und es war immer ein bisschen so wie der Gang zur Schlachtbank, die Öffentlichkeit hoffte immer, dass die faule Sau Ullrich vielleicht doch einmal ausbüchsen könnte. Ich erinnere mich noch genau an meine Gefühle vor jeder wichtigen Etappe: Endlich solle er es mal allen zeigen, diesen heuchlerischen Reportern, die ihn immer wieder mit Wonne als Versager stempelten. Ich fuhr den Berg immer mit hoch wenn Ullrich dabei war. Weil ich so nervös war, zappelte ich mit meinen Beinen. Ich ertrug die Ungerechtigkeit einfach nicht. Ich konnte es nicht fassen, dass ein so erfolgreicher Sportler in der öffentlichen Wahrnehmung dastand, als sei er ein dummer kleiner Junge, der zufällig in einen von Gott gesegneten Körper geschlüpft ist und fast nichts dafür tat, um erfolgreich zu sein.

Und diese Wahrnehmung hatte nur einen Grund und einen Namen: Lance Armstrong. Ohne ihn wäre Jan Ullrich der vierfache Tour de France-Sieger. Der Allergrößte, der harte Arbeiter, der sein Talent ausschöpft, der unwiderstehlich am Berg war, unschlagbar im Zeitfahren. Er wäre der gefeierte Held. Er wäre derjenige, den man gefilmt hätte, wie er die Gipfel der Tour im Winter hochfährt, wie er stundenlang im Keller auf der Maschine sitzt und trainiert. Wie er seine Gabe perfekt umsetzte indem er innerhalb kürzester Zeit in Topform kam. Er wäre auf einer Stufe mit Beckenbauer, Schumacher und Graf genannt worden. Die öffentliche Wahrnehmung wäre eine gänzlich andere gewesen. Aber es war nicht so. Weil er Zweiter und nicht Erster wurde. Das ist die Perversion dabei. Ein Platz in der Rangliste der besten Radfahrer auf der Welt entscheidet darüber, ob du das Gespött der Nation bist oder ihre idealisierte, hochstilisierte Ikone. Und genau diese Geisteshaltung ist zu einem großen Teil dafür verantwortlich, dass so viele Sportler illegale Substanzen nutzen, um sich einen Leistungsvorteil zu verschaffen. Armstrong hat es offensichtlich getan. Wenn man sich anschaut, wie in den vergangenen Jahren über zweite Plätze berichtet wurde und wie die Menschen über Sportler urteilen, über sie spotten, die nicht Erster werden, dann kann ich es sehr gut nachvollziehen, warum im Leistungssport so breitflächig gedopt wird. Ich kenne die genauen Motive von Armstrong und Ullrich nicht. Ich weiß nicht, warum sie gedopt haben. Vielleicht war es bei Armstrong der Wille, sich selbst etwas beweisen zu wollen nach der Krankheit. Vielleicht wollte er mit seinem Erfolg möglichst viele Gelder für seine Stiftung einfahren. Vielleicht wollte Ullrich Armstrong bloß einmal schlagen. Vielleicht wollte er nur ein einziges Mal noch die Tour gewinnen. Vielleicht wollte er es endlich allen beweisen, dass er doch ein Siegertyp ist. Vielleicht war er auch einfach nur geldgeil. Vielleicht war es auch einfach gang und gäbe, zu dopen und es herrschte diesbezüglich kein Unrechtsbewusstsein. Egal, welcher Umstand zum Doping geführt hat, eins ist für mich offensichtlich: Eine derartig gestörte, abartige und teilweise menschenverachtende Berichterstattung gegenüber einem Zweitplatzierten beim härtesten Radrennen der Welt hat den Erfolgsdruck und damit die Verheißung des Konsums illegaler Substanzen mit Sicherheit befeuert.

Was bleibt ist, dass die öffentlich-rechtlichen Sender in dieser Hinsicht eine geradezu schizophrene Haltung eingenommen haben und, wie man an der Berichterstattung zu den Olympischen Spielen gesehen hat, immer noch einnehmen: Doping wird verteufelt, gegen die Entdeckten werden mediale Hetzjagden betrieben und der Ethos und die Moral des Sports werden immer wieder besungen. Zweite oder wahlweise vierte Plätze hingegen werden nicht oder gering geschätzt, es wird von Desastern und Katastrophen, Enttäuschungen und Versagern gesprochen. Der allergrößte Teil der öffentlich-rechtlichen Sender ist sich nicht bewusst, dass sie mit ihrem Erwartungsdruck und ihrem generellen Verständnis, wie Sportberichterstattung abzulaufen hat, zu dem Klima beitragen, in dem der Dopingsumpf, den sie gerne einfach ausgerottet wüssten, erst richtig gedeihen kann. Denn wo nur der absolute Erfolg zählt, lohnt es sich immer auch, nach illegalen Wegen dorthin zu suchen.

Wäre eine Version, wie ich sie zu Beginn geschildert hatte, gerecht oder wünschenswert? Nein, eher nicht. Ullrich hat mit großer Wahrscheinlichkeit ähnlich gehandelt wie Armstrong. Also war es wieder ein Kampf auf Augenhöhe. Der spätpubertäre Junge, der ich damals war, hätte sich wahrscheinlich zu Tode gefreut, wenn es so gekommen wäre. Es hätte allein mein persönliches Leid gemindert. Ich habe mit Ullrich mitgelitten. Aber niemals, weil er "nur" Zweiter wurde. Sondern, weil die Menschen ihm nicht den Respekt zukommen ließen, den er eigentlich verdient hatte. Als Sieger hätte er den Respekt und die Anerkennung bekommen. Allerdings, wie ich denke, aus falschen Motiven. Aus Motiven und einer Geisteshaltung heraus, die die Sportler erst dazu verleiten, zu betrügen. Leistung sollte unabhängig von Sekunden oder Platzierungen gewürdigt werden.


Dienstag, 21. August 2012

Road to Frankfurt 2012 - noch 10 Wochen: Intervalle sind scheiße

Heute war also die erste Einheit meines Trainingsplans. Es standen 2000m-Intervalle an. Gleich fünf davon im Marathontempo. Da ich gerne wieder unter drei Stunden laufen würde, wären das in Etwa 4:15min/km gewesen. Da ich aber noch nicht ganz so weit bin, dachte ich eher an 4:20min oder etwas in der Art. Das Wetter war wieder ähnlich ätzend wie am Sonntag. Ich bin wirklich kein Jammerlappen, aber Temperaturen über 30 Grad und dazu auch noch schwüle Luft vertrage ich nicht wirklich gut. Das nächste Mal muss ich wirklich abends oder früh morgens laufen gehen. Anscheinend hatte ich aus dem Sonntag nichts gelernt und bin wieder schön um die Mittagszeit losgelaufen.

Schon beim Einlaufen merkte ich, dass ich nicht so richtig auf Touren kam. Der erste Intervall ging dann aber ziemlich gut. Ich schaffte ihn in 4:19min/km und der Puls stieg auch kaum über 170. Trotzdem war ich danach schon ziemlich ausgepowert. Die vier Minuten Pause nutzte ich fast vollständig zur Gehpause, sonst trabe ich spätestens nach einer Minute schon wieder los.

Der zweite Intervall fiel mir dann schon deutlich schwerer. Der Puls schnellte auch relativ zügig über 170. Am Ende waren es 4:25min/km. Es war wirklich ziemlich heiß und ich hatte auch nichts zu trinken dabei.

Beim dritten Intervall wurde es dann noch schlimmer, der Puls war noch höher und am Ende waren es 4:30min/km. Ich beschloss daraufhin, es für heute gut sein zu lassen. Ich muss mich nicht bei der ersten Einheit des Plans komplett zerstören, dachte ich mir.

Einerseits ist mir ein derartiges Versagen in einer Intervalleinheit noch nie passiert, die habe ich bisher immer stur durchgezogen. Andererseits schiebe ich es dieses Mal wirklich aufs Wetter. Von daher ist mein schlechtes Gewissen sehr begrenzt. Morgen steht ein ganz lockerer Dauerlauf über 100min an. Wenn ich den bei normaleren Temperaturen absolvieren kann, sollte das eine nette Regenerationseinheit werden. Und dann hoffe ich einfach auf eine Abkühlung, obwohl ich die Jammerlappen, die sich über die Hitze beschweren, eigentlich verabscheue. Heute gehöre ich auch mal dazu. Und ich schäme mich auch nur ein kleines bisschen.

Jedenfalls hat mein Knie gut gehalten. Es fühlt sich deutlich besser an als noch vor einer Woche. Das ist positiv und eigentlich wichtiger, als die Tatsache, dass ich heute zwei Intervalle habe hinten runter fallen lassen. Weiter gehts!!

Montag, 20. August 2012

Road to Frankfurt 2012 - noch 10 Wochen: Endlich wieder Marathonvorbereitung!

Morgen beginnt die heiße Phase für den Frankfurt Marathon. Ich bin im Moment zwar nicht wirklich davon überzeugt, dass ich dort mitlaufen werde, aber mein Training will ich ab jetzt schon mal wieder intensivieren. Letzte Woche war für mich sozusagen Generalprobe, inwiefern ich die wieder erhöhte Laufbelastung verkrafte. Vor allem mein linkes, operiertes Knie machte mir einige Sorgen. Es fühlte sich nach den Läufen nicht wirklich gut an. Teilweise merkte ich auch während der Läufe, wie mein Knie sich "versteifte". Es gab zwar keine Schwellung, aber das Gefühl war das gleiche. Naja, ich möchte hier nicht weiter sinnlos im Nebel rumstochern. Jedenfalls hat es am Donnerstag die schnelle Einheit sehr gut verkraftet. Gestern sollte dann der ultimative Test folgen. Ich bin in der prallen Nachmittagssonne bei angenehmen 36° zwei Stunden durch Mainz und bis nach Wiesbaden gelaufen. Ich wollte einfach schauen, inwiefern mein Knie das so mitmacht. Es hat durchgehalten. Ich allerdings nicht ganz. Die zwei Stunden bin ich zwar durchgelaufen und das gar nicht mal so schlecht, allerdings musste ich mich dann von meinem Bruder abholen lassen, da ich die Strecke ein wenig falsch eingeschätzt hatte. Am Ende wurde es mir dann doch etwas zu warm und dann ging auch noch mein Getränk zur Neige (warmes Wasser, lecker!) und dann wollte ich einfach nicht mehr.

Fazit aus diesem Lauf: Der Trainingsplan kann kommen! Letzte Woche immerhin ca. 60km gelaufen, die 80, die diese Woche folgen, sollte ich packen und von da an muss ich einfach schauen, wie es weiter geht.

Zusätzlich zum Laufen habe ich jetzt auch endlich wieder mit Krafttraining speziell für die Beine begonnen. Ich habe dazu ein paar neue, tolle Übungen gefunden. Vielleicht werde ich die hier beizeiten mal vorstellen. Damit sollten auch die Knieproblemchen in den Griff zu kriegen sein.

Sonst habe ich zu Beginn eines Trainingsplans immer konkrete Vorstellungen von einer Zielzeit gehabt. Dieses Mal ist es irgendwie anders. Die 3 Stunden zu knacken kam im Nachhinein dann doch ein wenig plötzlich, damit hätte ich nicht gerechnet. Und vielleicht bin ich in Paris auch über meinen Möglichkeiten gelaufen. Wobei... das geht ja eigentlich gar nicht. Jetzt aber eine noch schnellere Zeit anzupeilen, erscheint mir irgendwie vermessen und ich habe das Gefühl, dass der Aufwand einfach immer größer wird, um noch eine eklatante Leistungssteigerung zu schaffen. Ich werde einfach schauen, wie das Training klappt, wie streng ich mich an alles andere halte und dann in ein paar Wochen entscheiden, ob ich einen neuen Bestzeitenversuch unternehmen werde. Zwischendurch kommen ja auch noch zwei 10km Läufe und ein Halbmarathon, die mir helfen werden, mich zu orientieren. Der 10km- Lauf soll ja schon am Ende der 3. Woche stattfinden. Eine Möglichkeit wäre hier, den Hochheimer Weinbergslauf zu nutzen. Der ist um die Ecke, geht allerdings entweder über 7,6 oder über 15,2km. Deshalb bin ich noch unschlüssig. Zur Not renne ich wieder auf der Bahn, das hat sich vor Paris ja bewährt.

Aber ich bin wirklich froh, dass ich jetzt wieder für einen Marathon trainieren werde. Das motiviert mich doch immer noch erheblich mehr. Ich liebe das Laufen, aber ohne konkretes Ziel laufe ich zu unstrukturiert. Vielleicht sollte ich mich mal nach einem Ganzjahresplan umsehen... Andererseits ist es so, dass ich mich immer gerne genau an die Vorgaben halte und ultrakonsequent bin, wenn es um Trainingspläne geht. Über ein ganzes Jahr hinweg würde das entweder nicht funktionieren (was frustrierend wäre) und ich würde den Plan verwerfen oder ich würde zum unsympathischen Pedanten. Das wäre zwar irgendwie cool, aber mein Umfeld hat Besseres verdient.

Wie auch immer: Auf geht's!

Montag, 2. Juli 2012

Sommerpause

Die Zeit vergeht aber auch wieder mal besonders schnell... einen Monat habe ich schon nicht mehr geschrieben. Warum eigentlich? Weil die Lauferei gerade nicht so wirklich stattfindet bei mir. Den Gonsenheimer Lauf habe ich aufgrund leichter Kniebeschwerden (wieder weg) ausfallen lassen. Danach habe ich mir bewusst zwei Wochen Auszeit genommen. Daraufhin war ich auf dem Southside Festival und habe meine Form noch ein gutes Stück weiter in den Keller gejubelt. Als ich dachte, ich sei gut genug erholt und könnte wieder mit dem Training beginnen, machte sich eine Rippe bemerkbar. Anscheinend habe ich mir im Gewühl einen Ellenbogen eingefangen. Die ersten beiden Tage habe ich die Schmerzen nur leicht gespürt, ich war sogar schwimmen damit. Dann wollte ich es wissen und war freitags im Krafttraining und hinterher noch laufen. Das war wohl gar nicht gut.

Heute waren die Schmerzen dann so prominent, dass ich mir Schmerztabletten reingepfiffen habe. Und jetzt ist wohl erstmal pausieren angesagt. Das nervt natürlich, weil pausiert habe ich jetzt eigentlich lange genug. Aber dann sind die Beine wenigstens maximal erholt und die Vorbereitung für den Frankfurt Marathon kann ich mit voller Energie angehen. Momentan zweifel ich jedoch sehr daran, dass ich wieder ähnlich gut oder sogar besser als in Paris abschneiden kann. Aber so ist das eigentlich immer, wenn man am Anfang einer solchen Trainingsphase steht und vor allen Dingen jetzt, wo jeder Atemzug wirklich unangenehm ist.

Montag, 4. Juni 2012

Krafttraining für Läufer: Bauchmuskeln

Jetzt habe ich hier ja schon einiges zum Lauftraining geschrieben. Vor ungefähr einem Jahr kam ich dann mal auf die ziemlich brilliante Idee, dass man ja zusätzlich zum Lauftraining auch noch ein paar Kräftigungsübungen einbauen kann. Okay, in Wahrheit war es meine Knieverletzung, die mich ein wenig zum Nachdenken gebracht hat. Seitdem mache ich ca. 2-3x/Woche Krafttraining. Dabei konzentriere ich mich speziell auf Übungen für den Bauch, den Rücken und die Schultern. Neuerdings habe ich auch einige Übungen für die Beine integriert. Stabilisationsübungen mache ich auch gelegentlich. Früher war ich auch jahrelang im Fitnessstudio. Irgendwann ging allerdings die Motivation verloren. Heute mache ich die Übungen, weil ich dahinter einen tatsächlichen Sinn erkenne. Ich trainiere nicht, um an einem Gerät möglichst viel Gewicht zu schaffen, sondern weil ich weiß, dass mir die spezifischen Übungen beim Laufen helfen. Sie machen mich erstens schneller und zweitens bewahren sie mich langfristig vor Verletzungen. Heute stelle ich einfach mal ein paar Übungen für den Bauch vor. Ich mache nicht immer alle auf einmal, aber mindestens drei Bauchübungen mache ich bei jeder Trainingseinheit. Ich finde es wichtig, die Übungen immer mal wieder abzuwechseln, damit der Muskel verschiedene Reize spürt - das kann nur gut sein. Hier sind ein paar der Übungen, die ich anwende. Meiner Meinung nach bringen sie auf jeden Fall etwas. Das Problem bei Kräftigungsübungen ist, dass man sie erstens richtig ausführen muss und zweitens, Muskeln nur aufgebaut werden, wenn man gleichzeitig auch ein wenig an der Ernährung dreht. Dazu schreibe ich demnächst mal was. "Erfolg" bei Kräftigungsübungen lässt sich somit schwer messen, anders als beim Laufen. Da ich sie aber wegen des Laufens ausführe und im letzten Jahr doch um einiges schneller geworden bin, kann man schon davon ausgehen, dass die Übungen da ihren Teil zu beitragen. Abseits dessen sieht man mittlerweile auch die Veränderungen am Körper. Vorher war ich, zumindest in der Marathonvorbereitung, einfach dürr. Jetzt sieht man, dass ich ab und zu mal was für meinen Körper tu'. Ein netter Nebeneffekt.

Wichtiger Hinweis zur Ausführung: Bei allen hier aufgeführten Übungen sollte man immer darauf achten, den Bauchnabel einzuziehen und die Muskeln permanent unter Spannung zu halten. Einerseits macht es die Übungen effektiver, andererseits beugt man so bei den Übungen, die man liegend ausführt, Rückenschmerzen und langfristig auch -verletzungen vor.