Freitag, 24. Juli 2015

Road to Frankfurt 2015 - Noch 13 Wochen

Nachdem das bisherige Laufjahr ziemlich gut und kontinuierlich läuft, habe ich mich dazu entschieden, mal wieder einen Marathon zu laufen. Bislang bin ich über 1500km gelaufen. Das sollte eine ausreichende Basis für ein Marathontraining sein. Ich hatte zwar die letzten drei Wochen immer mal wieder Probleme mit meiner linken Hüfte (mal was ganz Neues), seit Montag sind diese jedoch verschwunden. So verspürte ich zunächst erst nach einer gewissen Distanz beim Beinhub einen lokalen Schmerz im Hüftbereich, der sich mit zunehmender Distanz in den Oberschenkel hinaus zog. Daraufhin habe ich ein paar Tage pausiert und mir etliche Dehnübungen verordnet, die ich jetzt auch weiter beibehalten werde. Dazu mache ich jetzt kein schweres Krafttraining mehr für die Beine, da das meine Laufleistung einfach zusätzlich schwächt und ich den Eindruck habe, dass meine Hüftverletzung (was auch immer es war) daher kam. Ich mache jetzt im Studio Übungen auf einem Bosu-Ball, den ich mit der runden Seite auf den Boden lege und dann einbeinig darauf herum hampel'. Ich verspreche mir davon, dass es meine "Statik" irgendwie verbessert, also bessere Kontrolle im Sprunggelenksbereich und ich meine auch, dass das meiner Hüfte außerordentlich gut tut. Im Grunde genommen mache ich auf dem Ball, nachdem ich meine Balance gefunden habe, einbeinige Kniebeuge, die ich in Laufhaltung absolviere, also das andere Bein nach hinten raus, dann tief nach unten und beim Strecken das andere Bein nach oben ziehen. Ich bilde mir ein, dass das ganz gut ist. Dazu mache ich noch ein paar Übungen für die Beine am Kabel, was gleichgewichtsmäßig auch nicht so einfach ist, da man immer mit dem ganzen Körper gegen das Gewicht, was über das Kabel am Bein befestigt ist, arbeiten muss. Somit vermeide ich die ganz schweren Gewichte, trainiere eher meine Stabilität und meinen Gleichgewichtssinn und mache dazu noch eher lauftähnliche Bewegungen, anders als das bei Kniebeugen der Fall ist. Trotzdem ist es ziemlich anstrengend, vor allen bei den Bosu-Ball Übungen läuft der Schweiß in Strömen. Und im Grunde genommen ist man beim Laufen ja auch ständig nur auf einem Bein unterwegs (nur bloß für sehr kurze Zeit, weil man dauernd das Bein wechselt), weshalb es sicherlich sinnvoll ist, gut und sicher auf einem Bein rumhampeln zu können.

So, das waren meine kleinen Problemchen in den letzten Wochen. Ich hoffe, dass diese mich nicht weiter kümmern. Ich merke aber doch, dass, je älter man wird, man umso mehr drum herum machen muss. Und die Umfänge einfach mal so von heute auf morgen von 30 auf 90 Wochenkilometer zu steigern ist für mich leider auch nicht mehr drin. Dafür befinde ich mich jetzt aber schon in einer sehr viel besseren Form, als vor den meisten anderen Marathons, vielleicht vergleichbar mit der Form vor der Vorbereitung für Paris 2012.

Was das Zeitziel angeht will ich natürlich ähnlich schnell sein wie bei meinem letzten Marathon. Ich werde auch wieder strikt den Steffny-Plan trainieren, auch wenn ich immer wieder von anderen Leuten höre, dass dieser zu lasch sei, was das Tempo angeht. Für mich hat er aber super funktioniert. Und dafür hat er auch ziemlich hohe Umfänge, die ja auch erstmal geschafft werden wollen. Ich bin auch einfach kein Typ, der im Training mal eben 30km im Wettkampftempo läuft oder außerhalb eines Wettkampfs z. B. 10km im Halbmarathontempo abreißt. Trainingsweltmeister können gerne andere werden. Ich will am Tag X fit und vor allen Dingen verletzungsfrei sein.

Jetzt am Sonntag habe ich vor, meinen ersten 25km-Lauf in diesem Jahr zu absolvieren. Nächste Woche sollen es dann 27km sein und wenn das alles gut läuft kann ich, bevor der Plan beginnt (es ist ein 10 Wochen Plan) schon meinen ersten 30er laufen. Das wäre ideal. Meistens kommt bei diesen Wunschvorstellungen aber dann doch immer noch diese blöde Realität dazwischen, aber ich probiere es jetzt einfach mal so.

Donnerstag, 11. Juni 2015

Bonameser Volkslauf 04.06.2015

Am vergangenen Donnerstag bin ich im Frankfurter Stadtteil Bonames einen Volkslauf über 15km gelaufen. Ich wollte damit wenigstens ein wenig meine Trainingsphase abschließen, die ich mit Vorbereitung auf den Halbmarathon in Mainz im Januar begonnen hatte, den ich dann aber aufgrund einer Verletzung leider absagen musste.

Natürlich konnte ich aufgrund der Verletzung gut 10 Tage keine Laufeinheiten absolvieren. Die zwei Wochen vor dem Lauf nutzte ich also einerseits, um wieder den normalen Trainingsrhythmus zu bekommen und andererseits, um wieder Intensität reinzubringen.

Ich fühlte mich gut vorbereitet, hatte aber im Prinzip gar keine Pause vor dem Wettkampf gemacht. So hatte ich vier Tage vorher noch eine lange 20km-Einheit im Plan und bin zwei Tage vorher noch Intervalle gelaufen, wenn auch nur 4x1000m. Der Lauf fand donnerstags statt und ich hatte montags noch im Fitnessstudio Beintraining gemacht, was ich dann blöderweise donnerstags immer noch spürte. Somit ging ich also alles andere als ausgeruht an den Start und ich frage mich im Nachhinein, was ich mir wohl dabei gedacht habe. Wahrscheinlich wollte ich so viel Training auf- bzw. nachholen, was ich während meiner Verletzungspause verpasst hatte und hatte darüber vergessen, rechtzeitig das Pensum zu reduzieren.

Der Tag des Laufs war der erste richtig warme Tag, es waren Temperaturen jenseits der 25 Grad angekündigt. Außerdem plagte mich mein Heuschnupfen vor dem Lauf ganz schön. Ich hatte ein Nasenspray dabei, mit dem ich die Auswirkungen aber in Grenzen halten konnte.
Mein eigentliches Ziel, den Lauf in einer Stunde zu absolvieren, wollte ich irgendwie nicht ganz aufgeben, bei der morgens schon vorherrschenden Wärme und der prallen Sonne, machte ich mir aber wenig Hoffnungen, dieses Ziel auch nur irgendwie erreichen zu können.

Der Start fand auf einem Feldweg gut einen Kilometer vom Zielort entfernt statt. Zu Beginn verlief die Strecke leicht abschüssig. Ich versuchte, meinen eigenen Rhythmus zu finden, aber natürlich wird man immer ein wenig von den anderen Mitläufern beeinflusst. So fand ich mich neben einem Läufer wieder, der vorher meinte, er wolle zwischen 1:05 und 1:07 laufen. Also war er entweder viel zu schnell oder ich viel zu langsam. Ich tippte mal auf Ersteres. Den ersten Kilometer absolvierte ich in 3:57. Natürlich zu schnell, aber aufgrund des Gefälles vom Gefühl her noch in Ordnung. Alle anderen Kilometer waren jetzt entweder flach oder mit fiesen kleinen Steigungen versehen, etwa aufgrund von Brücken oder weil es halt einfach mal 200m bergauf ging. Ich lief in einer kleinen Gruppe mit 3, 4 Mann. Aber natürlich hatten sich die Herren neben mir beim Tempo übernommen und wurden alsbald langsamer. Ich hatte nach dem flotten Beginn und dem in 3:43min absolvierten zweiten Kilometer noch ein sehr gutes Gefühl. Natürlich war der zweite Kilometer gute 100m zu kurz gewesen, was ich mir schon fast dachte. Trotzdem war ich guter Dinge, eine ordentliche Zeit hinzubekommen. Nach 5km stand eine 20:04 auf meiner Uhr, was mir ziemlich gut gefiel.

Nun überholte mich ein Läufer, der mir zu schnell war, weshalb ich ihn ziehen lassen musste. Er schnappte sich auch recht schnell den gut 50m vor mir laufenden Mann, den ich wiederum gute 500m später einkassieren konnte. Es wurde jetzt zunehmend wärmer und aufgrund zweier Steigungen binnen zwei Kilometer war ich gefühlt schon am Limit. Ich verwarf meine Zeitziele, mir ging es alles andere als gut. Ich hatte irgendwie keine richtige Kraft mehr, konnte nicht nach Belieben mal ein wenig schneller laufen, sondern musste zusehen, die Zwischenzeiten im Bereich von 4:15min zu halten. Gab es eine Steigung wurden es schnell 4:20. Ich lief nun also nicht mehr auf Zeit, sondern wollte es vermeiden, von hinten überholt zu werden.
Anscheinend hatte ich es also mit dem Tempo doch übertrieben und hätte mir am Anfang noch stärker einreden müssen, es am betont ruhig angehen zu lassen. Aber auch nach gefühlten Hundert Starts bei Volksläufen passieren mir immer mal wieder so blöde Fehler. Jetzt war etwa die Hälfte des Rennens vorbei, bislang hatte mich niemand überholen können. Ein paar Kurven in der Strecke erlaubten mir einen schnellen Blick nach hinten. Ich sah zwei, drei Läufer gut 100m hinter mir. Die wollte ich auf keinen Fall vorbei lassen. Vor mir wiederum befand sich in gut 100m Entfernung ein weiterer Läufer, den ich unbedingt kriegen wollte. Die Zeiten bewegten sich jetzt im Bereich von 4:09 und 4:17. Ich näherte mich dem Läufer vor mir immer weiter an. Er winkte mich auch schon einige Male vorbei, doch so schnell war ich nun auch wieder nicht.
Nach gut 10,5km hatte ich ihn dann eingeholt und versuchte nun, ihn abzuhängen, was mir auch gut gelang. Jetzt waren es noch vier Kilometer. Eigentlich ein Klacks, aber ich lief schon gut 5km am absoluten Limit, hinzu kam, dass ich mit meinen Zeiten alles andere als zufrieden war, eigentlich am liebsten aufhören wollte und insgesamt sehr unzufrieden war. Nicht unbedingt die besten Bedingungen und der beste Geisteszustand für einen Wettkampf. Aber ich versuchte mich weiter zu konzentrieren. Vor mir erspähte ich in ca. 200m Entfernung einen weiteren Läufer in orange. An ihn versuchte ich mich anzunähern. Es ging jetzt glücklicherweise meist flach und um einige Kurven. Außerdem gab es jetzt wenigstens ab und zu ein paar Bäume, die ein wenig Schatten spendeten. Ansonsten war man der Sonne doch ziemlich gnadenlos ausgesetzt. Sonst mag ich es ja, in der Sonne zu laufen, aber aufgrund der Tatsache, dass es dieses Jahr noch nicht wiklich richtig warm war, war ich die Hitze nicht gewohnt.

Nach eine scharfen Linkskurve und einem längeren Stück über einen Schotter- und Trampelweg brach endlich der letzte Kilometer an. Für einen Schlussspurt hat es dann nicht mehr gereicht und es kam noch schlimmer: Nach einer scharfen Linkskurve ging es abermals auf einen Trampelpfad, der nun zwar in ein kleines Waldstück mündete, was gut war (Schatten), der Weg jedoch ging jetzt doch ziemlich steil und fies bergauf. Ich keuchte und hechelte also durch das Gestrüpp, überall lagen kleine und größere Steine rum, man musste also aufpassen, nicht auch noch umzuknicken. Nach gut 200m war die Steigung geschafft, jetzt ging es geradeaus flach weiter über den Trampelpfad, der jetzt wiederum auf einen asphaltierten Feldweg mündete. Jetzt war man auf den letzten 400m. Ich sah den Orangenen vor mir laufen, noch war er gute 100m entfernt. Ich versuchte, das Tempo nochmals anzuziehen. Nun ging es nochmals 200m bergan, dann eine Linkskurve, dann eine kurze Rechtskurve und da war auch schon das Ziel. Den Läufer vor mir habe ich nicht mehr geschnappt. Er war 12sek vor mir im Ziel. Den letzten Kilometer absolvierte ich in 4:30, was angesichts der Steigungen doch ziemlich gut war. Am Ende erreichte ich eine Zeit von 1:03:09. Und angesichts der Umstände finde ich die Zeit gar nicht so übel. Die Strecke war zudem anspruchsvoller, als ich es erwartet hatte. Dass ich nicht ausgeruht an den Start ging, war jedoch mein Fehler. Das passiert mir so schnell sicher nicht wieder.

Am Ende wurde ich 12. und bin doch einigermaßen zufrieden mit der Tatsache, dass ich abgesehen vom Läufer bei km5 nicht überholt werden konnte. Das heißt, dass ich mir von den Läufern, die in etwa mein Tempo liefen, das Rennen noch am besten eingeteilt hatte. Obwohl ich während des Rennens einen ganz anderen Eindruck hatte.

Mittwoch, 27. Mai 2015

Nachtrag zum Halbmarathon Mainz

Jaaaaaaaa, es ist leider nichts geworden mit dem Halbmarathon in Mainz. Aber! Dieses Mal gab es einen triftigen Grund und es war nicht die fehlende Motivation, die Angst vorm Versagen oder Sonstiges. Der Grund war das hier:
Na, was ist kaputt?
Eine fette Zerrung im Sprunggelenk. Das Foto ist am Tag nach der Verletzung entstanden, also auf dem Höhepunkt der Schwellung. Ich finde, es sieht ganz schick aus. Aber jetzt fragt man sich, wie es wohl dazu kam? Nun, es waren also noch fünf Tage bis zum Halbmarathon. Ich fühlte mich tiptop vorbereitet. Lange hatte ich nicht mehr ein so gutes Gefühl vor einem Wettkampf. Ich war voller Tatendrang und so war es für mich nicht leicht mein Pensum in den letzten Tagen runter zu schrauben. Aber ich bin ja nicht mehr so ganz grün hinter den Ohren, weshalb ich brav montags mit dem Laufen pausierte, nachdem ich sonntags schon nur lockere 15km unterwegs war. Dienstags lief ich nochmals lockere Intervalle: 3x1,6km im Halbmarathontempo. Ich lief sie jeweils in 4:02/4:02/4:05min/km, also ziemlich flott. Im letzten bremste ich mich absichtlich, obwohl ich mich großartig fühlte. Alles kein Problem. In meinen Träumen lief ich schon in unter 1:25h ins Ziel. Herrlich.

Am Mittwoch war dann eigentlich wieder Ausruhen angesagt. Nach einer letzten Beineinheit im Fitnessstudio kribbelte es aber doch und ich ging nochmal raus, um ca. 40min locker daher zu traben. Ich lief ganz locker und entspannt am Rhein entlang, dachte an nichts Böses, passte aber auch nicht besonders auf und: KRACH! - AUA! - PURZEL! - FALL! - FLUCH! lag ich auf der Straße. Die Straße war flach, frisch geteert, kein Hindernis weit und breit sichtbar. Deshalb war ich auch so überrascht. Ich ließ mich in einem halb bewussten Akt der Verletzungsvermeidung auf den Boden plumpsen, um Gewicht vom übel umgeknickten Knöchel zu nehmen. Ich hatte den fetten schwarzen Stein nicht gesehen, auf den ich mit meiner Ferse trat. Ich knickte deshalb nach innen um. Ich bin während meiner Fußballzeit schon des Öfteren nach außen umgeknickt, nach innen kannte ich noch nicht. Es tat auch direkt weh. Ich saß dann also für kurze Zeit auf dem Boden und dachte sofort: "Wie lächerlich wäre es bitte, wenn ausgerechnet so ein Scheiß mir meinen Start versauen sollte?"

Ich stand daraufhin auf, warf den blöden Stein ins Gras, der da mitten auf der Straße lag und weit und breit keine andere Unebenheit auf dem schwarzen Teer vorhanden war. Ich trat vorsichtig auf und war doch erleichtert. Normalerweise kenne ich es so, dass man sich verletzt hat. wenn man umknickt und danach erstmal nicht rund weiter gehen kann. Ich hingegen merkte zwar einen leichten Schmerz, aber konnte den Knöchel voll belasten. Also fing ich leicht an zu laufen und siehe da: es ging. Ich hatte noch ca. 2km vor mir und trabte sie locker, aber auch gar nicht mal so langsam, ca. in 5:20min/km, nach Hause. Dort allerdings bemerkte ich, als ich meine Schuhe auszog, dass es doch nicht ganz so glimpflich abgelaufen sein könnte, wie ich mir das erhofft hatte.
Relativ schnell konnte ich nicht mehr rund gehen und humpelte durch die Wohnung. Ich kühlte die Stelle sofort um eine Schwellung zu vermeiden. Nach ca. 2 Stunden aber war der Knöchel fett angeschwollen, ich konnte meinen Fuß fast gar nicht mehr bewegen und jeder Schritt tat weh. Ich realisierte zu dem Zeitpunkt aber noch nicht wirklich, dass das jetzt eine Gefährdung für den Sonntag bedeuten könnte und wollte erstmal abwarten, wie sich der Knöchel nach einer Nacht Ruhe anfühlte.

Leider leider wurde es über Nacht eher schlimmer als besser und ich konnte kaum noch auftreten. Jetzt sah ich langsam ein, dass es Zeit war, dass da mal jemand drüber schaut. Also Termin ausgemacht mit meinem Orthopäden, der glücklicherweise nur ca. 100m von meiner Wohnung entfernt liegt. Nachmittags schleppte ich mich im Schneckentempo dahin und auf dem Weg verabschiedete ich mich schon mal vom Gedanken, sonntags mit voller Kraft durch die Stadt zu rennen. Trotzdem war mein erster Hinweis an den Orthopäden, nachdem ich ihm die dramatische Entstehungsgeschichte dieses Klumpfußes erzählt hatte, dass ich ja unbedingt am Sonntag Halbmarathon laufen will und was man denn da jetzt machen könne. Daraufhin meinte er allerdings trocken: "Das können sie vergessen. Das geht auf keinen Fall." Hm. Okay. Na gut, dachte ich mir schon, aber das Feingefühl haben sie bei dir auch ungleich auf Finger und Mundwerk verteilt, oder?

Er drückte also ein bisschen auf dem dicken Ding rum und wollte erstmal ausschließen, ob was gerissen oder gebrochen (!) ist. Da bekam ichs dann doch mit der Angst zu tun. Der Gedanke an Gips und OP und monatelanger Muskelaufbauarbeit erschien mir dann doch wenig attraktiv. Und das gerade jetzt, wo ich doch so gut in Form war wie seit Ewigkeiten nicht mehr! Das Röntgen zeigte allerdings zum Glück, dass es nur recht dolle gezerrt war. Puuh! Hätte mich ehrlich gesagt auch gewundert, wenn da was gebrochen gewesen wäre, denn das würde man doch relativ direkt merken. Zumindest bilde ich mir das ein. Naja, jedenfalls war ich trotz der schlechten Nachricht, dass ich den Halbmarathon nicht würde laufen können nach meinem Arztbesuch recht guter Dinge. Immerhin nichts gebrochen oder gerissen. Das bedeutete, dass ich, sobald die Schmerzen abgeklungen waren, wieder loslegen konnte. Also musste ich bloß warten, ab und zu kühlen und ein bisschen massieren.

Am Freitag war die Schwellung schon deutlich zurück gegangen und ich bereute es fast, dass ich meinen Startplatz gerade verkauft hatte. Wer weiß, vielleicht hätte es ja doch noch gereicht? Samstags fühlte sich der Knöchel noch ein bisschen besser an und sonntags war der Schmerz nur noch da, wenn man auf die Stelle drückte. Ich beließ es allerdings beim Startverzicht und ging, obwohl ich mich kaum im Zaum halten konnte, erst mittwochs, also eine Woche nach der Verletzung, wieder laufen. Da stellte ich allerdings zu meiner Beruhigung fest, dass ich auf keinen Fall bei 100% war und ein Start im absoluten Desaster geendet hätte. Da am Sprunggelenk ja noch die Achillessehne hängt und daran der Wadenmuskel, ist klar, dass wenn man dort tagelang fast keine Belastung drauf legt, dieser ganze Apparat nicht direkt wieder bei 100% sein kann. Ich lief eine kurze 7km Runde und hätte gegen Ende beinahe Wadenkrämpfe im kaputten Bein bekommen. Darauf folgte ein ordentlicher Muskelkater. 21,1km wären mit dem Ding auf gar keinen Fall gegangen und noch viel weniger hätte ich volles Tempo laufen können. Eher hätte ich mir da noch irgendwas anderes verletzt. So war es letztlich die richtige Entscheidung zu warten. Und trotzdem musste ich nur eine Woche aussetzen.

In der vergangenen Woche konnte ich schon wieder normal trainieren, lief u.a. acht 1000m-Intervalle in unter 4min/km sowie einen 11km-Tempolauf. Der war zwar nicht so fix, dafür merkte ich den Formanstieg Anfang dieser Woche deutlich. Gestern lief ich dann zehn 400m-Intervalle und jetzt bin ich im Prinzip wieder da, wo ich vor der Verletzung war. Morgen will ich gerne nochmal 6km im Halbmarathontempo laufen. Und nächsten Donnerstag dann einen 15km-Wettkampf, um immerhin noch einen kleinen Abschluss für diese Trainingsphase mitnehmen zu können. Ich habe mir jetzt mal das optimistische Ziel gesetzt, die 15km in unter einer Stunde zu laufen. Bin nicht ganz sicher, ob das klappt und es hängt auch davon ab, wie ich mich morgen bei dem Tempolauf fühle und entsprechend vielleicht nochmals meine Zielzeit korrigieren werde. Aber alles nur Gerede, solange ich nicht an der Startlinie stehe, kann ich jederzeit auch mitten im sichersten Laufgebiet noch genau die Unebenheit finden, die mich zu Fall bringt. Ist ja auch ein Talent.

Samstag, 2. Mai 2015

Eine Woche vorm Halbmarathon

Jedes Mal, wenn ich hier was schreiben will, will ich mit "Soo!" anfangen. Irgendwann muss mir mal jemand gescheite Einleitungen für diesen Unsinn hier beibringen.

Aber fangen wir doch mit dem Offensichtlichen zuerst an: Es ist noch eine Woche bis zum Halbmarathon, der, nebenbei bemerkt, mein erster Halbmarathon sein wird, auf den ich mich explizit vorbereitet habe. Vorher fanden Halbmarathons für mich immer nur im Rahmen von Marathonvorbereitungen statt. Also müsste hier doch eine neue Bestzeit rausspringen, höre ich meine nervige, immer den Finger in die Wunde legende innere Stimme tönen. Naja, ja und nein.

Nein, weil ich vor drei Jahren, als ich meine Bestzeit in Kaiserslautern gelaufen bin, wirklich, wirklich gut in Form war. Ich merke das jetzt gerade wieder. Ich vergleiche mein Training damals mit jetzt und habe Respekt vor der Regelmäßigkeit und Beharrlichkeit, mit der ich damals trainiert habe. Nicht dass ich jetzt Trainingseinheiten einfach so ausfallen lassen würde, damals war ich nur quasi von September bis Mai durchgehend im Training, bin in der Zeit zwei Halbmarathons und Marathons, sowei drei voll gelaufene 10er gelaufen. Außerdem waren die Umfänge andere. Aber gut, es war ja auch ein Marathontraining. Dieses Jahr bin ich seit Januar ziemlich gut dabei. Die Umfänge sind geringer, klar. Aber ich laufe härtere Intervalle, schnellere Tempoläufe und bin auch sonst nicht allzu langsam unterwegs, wenn lockere Dauerläufe anstehen. Vor drei Jahren war ich außerdem leichter. Immerhin zwei bis drei Kilo, aber heute bin ich mit ca. 79kg auch nicht schlecht dabei. Es ist ein bisschen so wie bei Mario Kart. Ich renne gegen meinen eigenen Geist.

Ganz realistisch gesehen ist eine neue Bestzeit nicht drin. Das muss ich mal vorweg sagen. Aber, und das ist das Spannende, ich trau mir nach dem Maarauelauf und nach dem letzten 3x3km-Intervalllauf doch ein gutes Rennen zu. Der Maarauelauf war so ziemlich der erste "10er" (auch wenn es 11,1km waren), den ich ohne allzu große Qual durch laufen konnte und am Ende noch anziehen konnte. Ich bin auch vorher schon 10er mit negativem Split gelaufen, aber immer war da dieser psychologische Durchhänger bei Kilometer 6-7, bei dem ich dachte, gleich zerlegt's mich. Dieses Mal nicht und ein Tempo von unter 4min/km fühlte sich nicht so furchtbar an.

Der letzte richtige Intervalllauf war am Donnerstag. 3x3km im geplanten Halbmarathontempo. Natürlich ist das genau die Frage: Was ist das geplante HM-Tempo? Ursprünglich wäre ich ja mit einer 1:27 sehr zufrieden gewesen. Also etwa ein Tempo von ca. 4:08min/km. In Kaiserslautern lief ich im Schnitt eine 4:04min/km. Ich nahm mir für die Intervalle mal optimistisch eine 4:05min/km vor und wollte genau darauf achten, wie sich das so anfühlt. Dafür sind diese Intervalle im Renntempo da: Ein Gefühl entwickeln, ob man das Tempo halten kann, ob man überzieht und wenn man sich gut fühlt, gibt das natürlich Selbstvertrauen. Und es fühlte sich gut an. Die jeweils ersten Kilometer waren jeweils etwas zu langsam, aber ich konnte problemlos anziehen und am Ende war ich zwei Mal bei 12:11min für 3km. Die letzte Runde ging ich auch wieder defensiv an, war aber nach 2km wieder im 4:04er Schnitt. Dann tauchten vor mir zwei recht flotte Läufer auf und ich dachte mir, dass ich einfach mal ein bisschen die Rennsituation simuliere und probierte, sie einzuholen. Klar, sie waren nicht intervallmäßig unterwegs, aber die Motivation, die ich daraus ziehe, mich an Läufer vor mir zu hängen, macht mich im Rennen immer schneller. So war es auch jetzt. Nicht falsch verstehen, ich hechelte nicht creepy hinter ihnen her und schnaufte dabei wie ein Asthmatiker. So ist mir das schon öfters passiert: Ich überhole jemanden und derjenige hängt sich verzweifelt an mich - ganz ehrlich: Ich finde das immer entwürdigend für beide Parteien.
Jedenfalls: Es war so, dass sie ca. 200m vor mir waren und ich zügig an ihnen vorbei laufen konnte und den letzten Kilometer in 3:52min lief. Klar war das anstrengend, aber es fühlte sich nicht zu hart an und weil es der letzte von neun Kilometern im Renntempo war, konnte ich daraus doch ein bisschen Selbstvertrauen ziehen und denke mir daher jetzt, wenn es anfangs gut läuft, werde ich eher auf eine 4:03-4:04min/km zielen, als in Richtung 4:05-4:08 zu gehen. Und da ein Halbmarathon für mich nicht wirklich lang genug ist, um am Ende kolossal einzubrechen, setze ich gegen Ende des Rennens einfach mal auf meine mentale Stärke, um dann das Tempo halten zu können. Aber irgendwie sind das noch alles Luftschlösser. Jetzt muss ich erstmal die letzte Woche gescheit überstehen. Nicht mehr zu viel machen und mich ausruhen wird die größte Herausforderung, weil ich mich momentan ziemlich gut fühle.

Abschließend kann ich noch festhalten: Ich bin wieder ganz frisch verliebt ins Laufen! Das liegt neben der guten Form vor allem am Frühling und dem tollen Wetter. Da macht es einfach großen Spaß. Letzten Sonntag bin ich durch die Wiesbadener Wälder bei Rambach und Naurod gelaufen und das war einfach großartig. Da ist nämlich kein Mensch und man hört nur die Vögel in der Gegend rumzwitschern - das hat immer was arg beruhigendes. Außerdem hat mir die bergauf- und bergab Lauferei großen Spaß gemacht. So gesehen, ist es nicht ganz so wichtig, ob ich jetzt ne 1:25 oder ne 1:27 laufe...

Montag, 20. April 2015

Maarauelauf 2015

Ach, jetzt habe ich doch glatt vergessen, mal ein paar hübsche Fotos von der Maaraue zu machen. Vielleicht reiche ich die mal nach, schließlich bin ich beinahe jeden Tag dort zum Training. Aber zu den wichtigeren Dingen des gestrigen Tages - dem Lauf an sich:
Es waren perfekte Laufbedingungen, die Sonne schien vom stahlblauen Himmel, es war nicht zu warm und nicht zu kalt (11°) und nur ein leichter Wind war zu spüren. Ich kam relativ spät an den Startort, holte meine Nummer ab und lief mich eine Runde auf der Aschebahn ein, machte ein paar kurze Sprints und war der Meinung, das müsse reichen. Drei Runden sollte es um die Maaraue gehen, das sind insgesamt 11,1km. Im Prinzip wollte ich das Rennen laufen wie einen 10km-Lauf, also mehr oder weniger Vollgas. Da ich 10km-Läufe aufgrund einiger schlechter Erfahrungen aber hasse, wollte ich sicher gehen, dass ich mein Tempo auf jeden Fall bis zum Ende konstant halten kann. Wenn das gelingt, dachte ich, habe ich alles richtig gemacht. Die Frage war nun, welches Tempo ich wählen soll. Bislang lief das Training wirklich richtig gut, aber in dieser Woche ging relativ wenig. Ich lief am Mittwoch nochmals Intervalle. 5x1000m sollten es lediglich sein. Mittwoch war der erste richtig warme Tag und es fiel mir schwer, mein Tempo zu halten. Die ersten beiden Intervalle liefen noch recht gut in 3:51min/km, das dritte war schon sehr anstrengend und mein Puls ging seit langem mal wieder auf 190. Das gefiel mir gar nicht. Deshalb lief ich das vierte etwas langsamer (4:00min/km), leider fühlte es sich mindestens genau so hart an wie das vorherige Intervall. Im letzten Intervall wollte ich also Schadensbegrenzung betreiben und locker durchlaufen - Puls über 190 und lediglich 4:15min/km. Etwas enttäuscht war ich schon und fragte mich, warum ich nun auf einmal nicht mehr die Geschwindigkeit erreichte, die ich eigentlich drauf haben müsste und die ich vorher auch schon in Intervalleinheiten gelaufen bin.
Ich entschloss mich daraufhin, diese Woche als Minierholungsphase zu nutzen, schraubte meine Kilometer deutlich runter und lief nur noch zweimal ganz locker in der Gegend rum. Bislang hatte ich die Umfänge nämlich fast immer gesteigert bzw. gehalten, ein wenig Abwechslung sollte also gut sein.
Da ich mich am Renntag ausgeruht fühlte und auch meine Beine sehr frisch waren, dachte ich, dass ich es trotzdem probieren sollte, vom 1.KM an eine Pace von möglichst 4min/km oder etwas schneller zu erreichen.
Die Teilnehmer stellten sich also langsam an den Start und ich reihte mich ebenfalls ein. Ich stand ca. in der dritten Reihe, vor mir waren etwa 10-20 andere Läufer. Ganz vorne in der ersten Reihe fand sich ein Ü70-Teilnehmer ein, der anscheinend wie alle anderen alten Leute keine Rücksicht auf andere nimmt und auch ansonsten keinerlei Schamgefühl besitzt. Ihr wisst schon, die Art alte Leute, die sich in der Bäckerei einfach dreist nach vorne an den Tresen stellen und anfangen, ihre Bestellung rauszukrächzen, bevor sie irgendjemand gefragt hat.
Dann kam der Startschuss. Ich lief los und wollte lediglich auf die Zeit gucken, Puls und irgendwelche Wasserstandsmeldungen zwischendrin waren mir egal. Da ich die Maaraue ziemlich gut kenne, wusste ich, wann etwa ein Kilometer gelaufen sein müsste. Das dazugehörige Schild war jedoch nicht vorhanden. Erst ca. 200m später tauchte es hinter einer Kurve auf. Da ich die Kilometer per Hand abdrücken wollte und nicht auf die Auto-Lap-Funktion meiner Uhr zurückgreifen wollte, ärgerte ich mich natürlich über diesen organisatorischen Fehler. Also gut, dachte ich mir, dann drücke ich halt erst ab Km2 ab. Am Km1-Schild war ich bei 4:46min vorbei gelaufen, bei Km2 lag ich bei 8:40min. Sollte also der zweite Kilometer tatsächlich einen Kilometer lang gewesen sein, war ich auf Kurs. Km3 war nun in genau 4min erreicht. Km4 war offentischltich etwas zu kurz, ihn erreichte ich in 3:43min, meine Uhr sagt mir hier eine 3:57er Pace an, also war ich auch hier im gewünschten Pacebereich. Das Rennen lief richtig gut, ich fühlte mich frisch und hatte nicht den Eindruck zu überziehen. Dieses Gefühl wollte ich mir bis mindestens Km6 aufrecht erhalten. Km5 konnte ich in 3:57 wiederum gut hinter mich bringen. Km6 war wiederum etwas zu kurz geraten, meine Uhr zeigt mir 965m an (ich bin mir der Messungenauigkeiten der GPS-Uhren durchaus bewusst, jedoch traue ich hier mehr der Uhr als den Schildern), meine Pace lag bei etwas mehr als 4min/km. Km7 erreichte ich nach 3:55min, jetzt sollte die Länge wieder gestimmt haben. Km8 war schildermäßig völlig vermurkst, viel zu kurz, ihn absolvierte ich nämlich in 3:04min, meine Uhr zeigt im Protokoll eine Pace von 4min/km. Da ich mich immer noch sehr frisch fühlte, versuchte ich auf den letzten drei Kilometern etwas Gas zu geben, um eine Zeit von unter 44 Minuten zu erreichen. Leider lief ich die meiste Zeit alleine. Anfangs stürmten ca. 20 Leute vor mir weg. Nach ca. 1 Kilometer hatte ich 7-8 Leute überholt. Jetzt konnte ich mich nur an zwei Läufern orientieren, die gut 200m vor mir gemeinsam liefen. Ich nahm mir vor, ihnen immer näher zu kommen. Kurz vor Halbzeit der letzten Runde hatte ich den Abstand fast halbiert. Dann verabschiedete sich einer der Läufer nach vorne und entfernte sich für mich uneinholbar. Ich fokussierte mich also auf den zweiten Läufern und kam auch stetig näher. Die letzten Kilometer absolvierte ich in ca. 3:55min/km und kurz nachdem der letzte Kilometer anbrach überholte ich den Läufer vor mir. Ich zog jetzt nochmals etwas an, um ihn hinter mir zu lassen, dann ging es schon scharf links in Richtung Ziel auf dem Sportplatz. Jetzt waren es noch ca. 100m, ich gab nochmal Gas und war nach hangestoppten 43:51min im Ziel.
Ich bin sehr zufrieden mit meinem Lauf, da ich mein vorgenommenes Tempo durchgehend halten konnte und sogar unter 44 Minuten blieb. Das hatte ich mir als Idealziel gesetzt. Ich erreichte den 9. Platz und war ein bisschen stolz, dass ich mit meiner guten Renneinteilung am Ende noch einen Läufer überholen konnte.
Abends lief ich noch eine kleine Runde locker aus. Heute habe ich kaum Muskelkater und kann mein Training wahrscheinlich ohne große Erholungspause fortsetzen.
Das Läuferleben kann so schön sein, wenn man sich richtig einschätzen kann und die Form am Tag, an dem es darauf ankommt, auch stimmt.

Donnerstag, 9. April 2015

Zwischenbilanz auf dem Weg zum Mainzer Halbmarathon

So jetzt ist es noch genau einen Monat bis zum Halbmarathon in Mainz. Zeit, sich die bisherige Vorbereitung mal genauer anzusehen. Bislang finde ich, läuft es ziemlich gut. Seit Januar laufe ich in schöner Regelmäßigkeit, nur eine Woche musste ich komplett wegen einer Erkältung aussetzen. Und wie immer: sobald ich mal mehr als zwei Monate konsequent am Ball bleibe, steigt einerseits die Formkurve (ziemlich drastisch sogar), andererseits geht mit mir seit einigen Tagen die Fantasie durch, was ich am Tag X zu leisten im Stande sein sollte/müsste/will.

Die Erwartungen steigen wie immer stärker an als meine Form es tut und ich erwische mich ab und an dabei, wie ich schneller laufe als es der Plan vorsieht. Lockere Dauerläufe in 5min/km habe ich früher nie gemacht, heute sind die schon möglich. Pulsmäßig überfordere ich mich nicht mal. Die Langen laufe ich mit Endbeschleunigung, einfach weils Spaß macht und mir in der Parisvorbereitung so viel gebracht hat.

Trotzdem frage ich mich, ob ich es nicht manchmal etwas übertreibe. Gestern stand eine ziemlich fordernde Intervalleinheit an: 4x2000m in je 7:55min. Diese 7:55min habe ich aus dem Beck-Plan für den HM sub 1:26. Wenn ich vom 10km-Ergebnis aus dem März ausgehe (41:49), dann ist eine sub 1:26 absolut hirnrissig als Ziel, so ehrlich muss ich schon sein. Allerdings konnte ich die gestrigen Intervalle relativ locker absolvieren, alle 4 waren in der Zeit bzw. leicht schneller. Ich fühlte mich nicht so, als hätte ich mich voll verausgaben müssen. Trotzdem war der Puls jeweils schnell jenseits der 180, eher so bei 181-183. Das nur als Beispiel eines evtl. überambitionierten Trainings, zumal ich sonst immer nach Steffny gelaufen bin und der im HM-Plan die gleichen Intervalle mal eben 20sek langsamer laufen lässt, also im HM-Tempo. Es ist also Neuland für mich und wahrscheinlich deswegen mache ich mir andauernd mental in die Hosen (beinahe ist mir das letztens im Training sogar tatsächlich passiert, aber das ist eine vollkommen andere, eher unappetitliche Geschichte).

Glücklicherweise ist nächste Woche Sonntag der Maarauelauf. Dort werde ich die Möglichkeit haben, meine Form nochmals richtig zu überprüfen. Die 11,1km dort würde ich gerne in einer Pace von unter 4min/km absolvieren. Ich weiß, dass das recht gewagt ist. Aber (jetzt kommt der rechtfertigende Teil) letzte Woche gab es eine Einheit mit 6km im HM-Tempo, was ich mal so grob bei 4:06min/km veranschlagt hatte (auch das sehr optimistisch). Da es an dem Tag unglaublich windig war und ich zu Beginn in einen 20-minütigen Hagelsturm geriet, musste ich erstmal mein Tempo finden. So war der erste Kilometer mit 4:15min zu langsam, danach lief ich aber immer in der Nähe der 4:06min, zweimal sogar darunter, so dass am Ende ein Schnitt von 4:08min rauskam und mein Puls, trotz Wind, sich auch noch im Rahmen bewegte und nicht über 180 ging, sondern eher so im Bereich 175 war. Das ist für mich ganz ordentlich, weil das eigentlich immer mein Marathonpuls ist. Und im Wind laufe ich auch nicht so gern.

Wie man sieht, schwirrt mir allerlei Zeug durch den Kopf und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich bin auf alle Fälle besser in Form als ich es erwartet habe. Und da ich mich ja nun auch nicht ganz so schlecht einschätzen kann, will ich auch mal nicht zu pessimistisch sein. Wenn ich den Maarauelauf tatsächlich wie jetzt geplant absolvieren kann, wäre das fantastisch. Zudem wäre es meine erste echte 10km-Zeit unter 40 Minuten in einem Wettkampf... wobei, das stimmt nicht. Im Rahmen des HM in Kaiserslautern 2012 müsste ich auch die zweiten 10km in etwas unter 40 Minuten gelaufen sein... und während des Mainzer HM 2012 war ich gegen Ende auch ziemlich flott und irgendwo waren da die sub40 sicherlich auch dabei. Und der Maarauelauf ist leider auch kein echter 10er... den werde ich also wieder nicht abhaken können. Aber wie dem auch sei, eine Pace unter 4min/km nehme ich mir jetzt einfach mal vor und dann gucken wir mal, ob ich, wie ich es hier schon so oft gemacht habe in diesem vermaledeiten Blog, den Mund zu voll genommen habe. Mein Gefühl sagt, dass es klappt, auch wenns ziemlich knochig werden könnte und der Sprung von 42 auf sub 40 in einem Monat doch recht heftig ist.
Aber dafür läuft das Training momentan auch entsprechend gut und mein Gefühl ist eigentlich ein bisschen so wie vor dem Marathon in Paris. Und da habe ich ja auch mein Ziel erreicht, auch wenn ich vorher nicht wirklich dran glauben wollte.

Naja und was ich dann beim Halbmarathon laufen will, wird sich zeigen. Alles unter 1:28 wäre toll, alles unter 1:27 großartig. Ich melde mich wieder, wenn ich meinen Luftschlössern ein bisschen mehr Realität verpasst habe.

Montag, 16. März 2015

Heini-Langlotz Lauf 2015

Nach langer, langer Zeit bin ich endlich mal wieder einen Wettkampf gelaufen. Ich hatte mir schon vor ein paar Monaten überlegt wieder in Brühl zu starten, als dann aber meine Erkältung im Februar dazwischen kam, hatte ich eigentlich schon keine Lust mehr. Da ich aber in der letzten Woche sehr ordentlich trainieren konnte, dachte ich mir, dass es ein guter Abschluss der Woche wäre, mal wieder 10km auf Zeit zu laufen. Allzu viel hab ich mir natürlich nicht erhofft. Einerseits musste ich fast zwei Wochen auf Sport verzichten, andererseits war ich generell noch nicht so lang im Training. Also sagte ich mir einfach, dass jede Zeit unter 43 Minuten für den jetzigen Zustand eine gute Zeit ist.

Ich lief einfach nach Gefühl los. Der erste Kilometer ging recht locker von der Hand und war in 4:13min auch schon recht flott. Die darauf folgenden 3km waren immer noch sehr angenehm vom Gefühl her und ich pendelte mich zwischen 4:08 und 4:15min/km ein. Deshalb wollte ich doch die sub 42 angreifen. Da ich meine Schwachstellen in so einem 10km-Lauf nur allzu gut kenne, wollte ich mir dieses verhältnismäßig angenehme Laufgefühl mindestens bis km 8 bewahren und nicht versuchen, so früh wie möglich Zeit gut zu machen, bloß um dann gegen Ende des Rennens abzunippeln. Trotzdem waren die Zeiten weiterhin in Ordnung, den langsamsten Kilometer lief ich in 4:15min. Ab km 5 lief ich hinter einer kleinen Gruppe von drei Männern her, die immer ca. 10m vor mir lief. Zusammen überholten wir einige andere Läufer und hielten konstant unser Tempo. Ich dachte, solange ich an denen dran bleibe, mache ich nichts falsch. Insofern war es eine recht einfache Aufgabe: aufs Gefühl achten, nicht überziehen und die Läufer vor mir als Motivationshilfe im Blick behalten. Ab Kilometer 8 wurde es dann ein wenig anstrengender, vor allem weil man jetzt auf einer langen Gerade gegen den Wind lief.
Dann brach allerdings schon der letzte Kilometer an und die Uhr sagte mir, dass ich eine 4:08 laufen musste, um unter 42 Minuten zu bleiben. Ich war zwar jetzt schon im roten Bereich, aber trotzdem sehr sicher, dass ich das schaffen würde. Ich zog also das Tempo an und nach ca. 300m war ich an der kleinen Gruppe dran, die nur noch aus zwei Läufern bestand, weil einer wegen Seitenstechen abreißen lassen musste. Jetzt ging es nochmal um einige scharfe Kurven, dann waren es nur noch ca. 500m. Ich setzte zum Schlussspurt an und war überrascht, dass mir niemand folgte. Ich selbst wäre ja einigermaßen angepisst, wenn jemand die ganze Zeit knapp hinter mir lief, nur um kurz vor dem Ziel davon rennen zu wollen. Naja. Mit meinem Schlussspurt konnte ich noch zwei weitere Läufer überholen und kam am Ende in 41:49min ins Ziel. So stelle ich mir einen gelungenen 10km-Lauf vor.

Natürlich ist die Zeit nicht überragend, aber zum jetzigen Zeitpunkt auf jeden Fall sehr zufriedenstellend. Ich habe mich dieses Mal auch nicht schon vor Hälfte der Strecke abgeschossen, sondern konnte auf den letzten beiden Kilometern noch ein wenig Gas geben und insgesamt konstant durchlaufen, ohne zwischendrin Todessehnsüchte zu entwickeln (ein Gefühl, das sonst stetiger Begleiter auf meinen 10km-Läufen ist). Insgesamt also ein rundum gelungener Lauf, der mir wirklich zusätzliche Motivation für die kommenden Trainingswochen gegeben hat.